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Abschied nehmen

Abschied nehmen:

Abschied nehmen ist ein ganz wesentlicher Bestandteil der Trauerarbeit. Neben dem eigentlichen Bewusstwerden des Verlustes und dem späteren Verarbeiten ist dies vermutlich eine der wichtigsten ihrer Säulen.

Betroffene Eltern sollten sich darüber im Klaren sein, dass alles, was sie jetzt noch an Eindrücken ihres Kindes sammeln können, nicht nur für die kommende Trauerarbeit reichen muss, sondern auch als Erinnerung für ein ganzes Leben.

Eindrücke, die wir nicht sammeln, die können wir später auch nicht mehr zum Ausdruck bringen. Alles, was wir nicht zum Ausdruck bringen, das können wir nicht verarbeiten.

Abschied nehmen bedeutet auch, unserem Unterbewusstein klarzumachen, dass jetzt jemand für immer von uns geht. Es gibt viele Möglichkeiten und Varianten, Abschied zu nehmen.

Im folgenden möchte ich kurz einige Ansätze und Ideen aus dem Forum der Schmetterlingseltern erwähnen, sie wurden von betroffenen Eltern zusammengestellt:

Als Gebärende nicht allein im Zimmer bleiben

Häufig kommen Kinder so früh zur Welt, dass sie einfach keine Chance haben, dies zu überleben. Manchmal sind es auch medizinische indizierte Schwangerschaftsabbrüche. In solchen und ähnlichen Fällen nicht allein ins Krankenhaus fahren, Beistand mitnehmen.!

Partner mit ins Zimmer aufnehmen lassen

Gebärende und Partner sollten ein Einzelzimmer erhalten, um dort ungestört sein zu können.

Ultraschall

Bitten sie um ein letztes Ultraschallbild ihres Kindes. Manche Eltern möchten das Sterben ihres Kindes über Ultraschall verfolgen. Dies sollte möglich sein.

Dem Kind einen Namen geben

Geben sie ihrem Kind einen Namen. Ganz egal, wie klein es vielleicht ist. Es ist einfach nicht schön oder würdig, im Nachhinein immer von "der Fehlgeburt" sprechen zu müssen.

Zeit lassen

Lassen sie sich Zeit für ihren Abschied. Nur sie selbst können wissen, wie lange sie dafür wirklich brauchen. Lassen sie sich da nicht reinreden. Wer nicht gleich Abschied nehmen& konnte, kann das auch an späteren Tagen noch nachholen.

Abschied auch für Familienangehörige

Geben sie auch Familienangehörigen, Freunden und gegebenenfalls Geschwisterkindern die Möglichkeit, sich zu verabschieden.

Eindrücke sammeln

Schauen sie sich ihr Kind genau an. Fassen sie es an, streicheln sie es. Alle Fehl-und Totgeborenen Kinder duften wunderbar nach Baby. Prägen sie sich den Duft ein.

Das Kind selbst versorgen

 Sie, ihr Partner, eine liebe Freundin oder die Omi können das Kind Baden, wickeln und anziehen. Für ganz "Kleine" gibts auf den Neos ganzwinzige Windeln, es gibt auch winzige Babykleidung für Frühchen, die man bestellen kann. Ganz frühe Kinder lassen sich wunderschön mit einem kleinen Spitzentaschentuch wickeln. Auch das Versorgen kann einige Tage nach der Entbindung geschehen.

Fotos machen

Nicht nur die üblichen Polaroids. Auch wenn sie in dieser Situation andere Sorgen haben,  bedenken sie, dass die Fotos ihrer Kinder von den verwaisten Müttern im nachhinein stets heiß geliebt sind. Verschiedene Motive: das sind allein, auf dem Arm von Mutter, Vater, Großeltern. Vielleicht auch ein Familienfoto. Auch Videos! Bitten sie einen Freund, die Aufnahmen zu machen, wenn es ihnen selbst zuviel ist.

Fuß- und Handabdruck

Lassen sie sich Abdrücke der Füßchen und Händchen machen. Das kann die Hebamme tun - z.B.mit einem Stempelkissen.

Haarlocke

Manche Babys haben schon sehr früh viele Haare. Nehmen sie sich eine Haarlocke als Erinnerung.

Namensbändchen

Lassen sie sich von der Hebamme ein  Namensbändchen für ihr Kind anfertigen.

Namenskärtchen

Mit allen Angaben zu Gewicht, Größe,Geburts- und Todeszeitpunkt anfertigen lassen. Name der Hebamme.

Urkunde

Viele Krankenhäuser stellen eine interne Urkunde aus. Dies ist besonders wichtig für Eltern, deren Kinder weniger als 500gr wiegen, denn für sie gibt es keine Sterbeurkunde vom Standesamt.

Mit dem Kind allein sein

Verbringen sie ausreichend Zeit mit ihrem Kind, auch ohne dass weitere Personen dabei anwesend sind. Jetzt ist die Zeit ihm nochalles zu sagen, was sie ihm mit auf seinen Weg geben möchten.

Gefühle leben

Jedes Gefühl, das wir in einer solchen Situation in uns hochkommt ist normal und richtig. Ob Schmerz, Ohnmacht, Wut und manchmal auch Humor. Lassen sie es raus!

Fragen, Fragen, Fragen

Stellen sie all die Fragen, die ihnen durch den Kopf gehen: JETZT. Halten sie mit nichts hinterm Berg.

Taufe, Gebet

Wer möchte, kann sein Kind noch taufen lassen. Für bereits verstorbene Kinder gibt es ein der Taufe entsprechendes Ersatzritual, welches der Priester vollziehen kann.

Hilfe hinzuziehen

Holen sie sich alle Hilfe, die sie benötigen. Einen Seelsorger. Eine Hebamme, die sie später auch zuhause betreut.

Obduktion

Überlegen sie sich , ob sie eine Obduktion wünschen, oder nicht, und formulieren sie dies sehr deutlich. Möglichst vor Zeugen.

Bestatten

Unabhängig von Reife und Gewicht kanng rundsätzlich jedes Kind bestattet werden! Manchmal muss man sich dann aber gegen Widerstände durchsetzen. Informieren sie sich.

Geburts- oder Todeskarten

Viele Eltern haben das Bedürfnis, den Tod ihres Kindes anzuzeigen. Das kann mittels Karten oder einer Zeitungsanzeige geschehen.

Erinnerungsstücke aufheben oder  schaffen

Heben sie all ihre Erinnerungstücke gut auf. Vielleicht schaffen sie auch welche: z.B. ein Seidentuch in der Mitte durchschneiden, davon eine hälfte dem Sarg beilegen, die andere zum Kuscheln selbst behalten. Oder: Zwei gleiche Kuscheltiere besorgen. Eines davon behalten.Man kann auch den Bestattungsstrampler in zweiter Ausfertigung für zuhause besorgen.

Musik-Cassette

Die meisten von uns verbinden mit bestimmten Musikstücken die Erinnerung an ihr Kind. Manchmal haben wir vielleicht auch in der Schwangerschaft ein bestimmtes Lied immer wieder gehört. Solche Lieder alle auf eine Cassette spielen. Gegebenenfalls auch an Freunde oder Großeltern verschenken.

Bilder, Gedichte

Heben sie Bilder und Gedichte auf, die sie an ihr Kind erinnern. Malen oder schreiben sie möglichst selbst welche und sammeln sie sie in einem schönen Büchlein.

Jahrestage

Tragen sie Termine, die im Zusammenhang mit ihrem Kind stehen, in Kalender ein: Jahrestage, Geburtstage, erwarteter Geburtstermin etc.

Eine Kerze für mein Baby

Viele Mütter haben eine Kerze für ihr Kind, die sie extra zum Gedenken an ihr Kind angeschafft haben. Manche basteln auch wunderschöne Kerzen dafür selbst.

Einen Ort zum Trauern schaffen

Nicht alle Sternenkindereltern haben ein Plätzchen auf dem Friedhof, an dem sie ungestört trauern können. Man kann sich ein solches Plätzchen aber schaffen, sei es zuhause, im Garten oder in der freien Natur.

Ein Bäumchen pflanzen

Pflanzen sie ein Bäumchen für ihr Baby. das muss ja nicht unbedingt im eigenen Garten sein. Es gibt viele sagenumwobene Bäume aus Märchen oder Sagen: Aschenputtels Haselstrauch, das Apfelbäumchen aus Frau Holle, die Rosen aus Dornröschen, der Birnbaum des Herrn Ribbek.

Plazenta

Es ist ein uralter Brauch, die Plazenta der Kinder zur Mutter Erde zurückzugeben und dann ein Bäumchen darauf zu pflanzen. Diesen Bäumen wurde dann ein besonders enger Bezug zum Kind nachgesagt.

Dies sind alles nur Vorschläge und Anregungen. Jedes Elternpaar sollte für sich selbst entscheiden, womit es sich am wohlsten fühlt. Möglich ist es auch, einige Rituale nachzuholen, wenn man zum damaligen Zeitpunkt vielleicht keine Gelegenheit dazu hatte.

Alles ist richtig, wenn es einem dabei nur besser geht.

Manchmal kommen ungewollte Ratschläge, oder sogar Unverständnis oder Kritik aus dem Umfeld. Ignorieren sie dies und bedenken sie, dass sie als Eltern sich genauso von ihrem Kind verabschieden müssen, wie es IHREN Wünschen und Sehnsüchten entspricht.

Je offener, aktiver und selbstbestimmter sie Abschied nehmen, desto besser starten sie ihre Trauerarbeit. Trauer ist eine sehr harte Arbeit. Niemand kann sie ihnen abnehmen. Es gibt auch keine Abkürzungen. Die 100 000 Tränen müssen wohl geweint werden.

Heute oder morgen.

Für die Trauerarbeit gibt es zahlreiche Hilfe. Informieren sie sich über Hebammen, Pfarrer, Selbsthilfegruppen von Betroffen. Besuchen sie die Homepages und Foren betroffener Eltern.

aufgeschrieben von Birgit Zart, www.kinderwunschhilfe.de

  
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